Die Wiener Kaffeehauskultur
Um zu erklären, was ein Wiener Kaffeehaus ausmacht, verwendet Loisl ein Zitat von Stefan Zweig:
Es stellt eine Institution besonderer Art dar, die mit keiner ähnlichen der Welt zu vergleichen ist. Es ist eigentlich eine Art demokratischer, jedem für eine billige Schale Kaffee zugänglicher Klub, wo jeder Gast für diesen kleinen Obolus stundenlang sitzen, diskutieren, schreiben, Karten spielen, seine Post empfangen und vor allem eine unbegrenzte Zahl von Zeitungen und Zeitschriften konsumieren kann. Täglich saßen wir stundenlang, und nichts entging uns.“
Und so ist es tatsächlich, nicht wie in einem unseren deutschen Cafés kann hier der Gast wirklich bei einer Tasse Kaffee stundenlang verharren. Es wird ihm niemand übel nehmen. Auch heute sind die Kaffeehäuser ein Ort, in dem man sich fast wie im eigenen Wohnzimmer fühlen kann. Dick gepolsterte Stühle oder Sitzbänke, große Tische und immer ein freundlicher Kellner, Entschuldigung, in Wien heißt dieser „Herr Ober“. Viele Zeitungen und Illustrierte zur kostenlosen Benutzung des Gastes dürfen ebenfalls nicht fehlen. Die Tradition, dass in vielen Kaffeehäusern auch Musiker live besondere Kaffeehausmusik spielten, ist leider fast in Vergessenheit geraten.
Es gibt viele Legenden, wann und aufgrund welcher Umstände das erste Wiener Kaffeehaus entstand. Geschichtlich nachprüfbar ist, dass eines der ersten Kaffeehäuser Wiens im Jahre 1685 von einem Griechen mit Namen Johannes Diodato gegründet wurde. Die Griechen hatten dann für Jahrhunderte auch ein Monopol für den Kaffeeausschank. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in Wien mehr als 600 Kaffeehäuser.
Zu jeder Tasse Kaffee wird, bestellt oder nicht, ein Glas Leitungswasser mitserviert. Obwohl viele meinen, dass man damit den Kaffee etwas leichter verträgt, geht diese Tradition auf die feine Wiener Gesellschaft zurück, die im 18. und 19. Jahrhundert die Kaffeehäuser ausgiebig frequentierte. Und in diesen Kreisen galt es als besonders unschicklich, nach dem Umrühren des Kaffees den Löffel abzuschlecken oder auf Untertasse zurück zu legen. Daher wurde zum Kaffee immer ein Glas Wasser serviert, damit man den Löffel dort ablegen konnte.
Das Wiener Kaffeehaus hat auch eine literarische und kulturelle Bedeutung erhalten. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts haben viele sogenannten Kaffeehausliteraten, darunter Peter Altenberg, Hermann Broch, Friedrich Torberg ihre Lieblingscafés zu Ihrem Lebensmittelpunkt und ihrer Wirkungsstätte gemacht.
